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Wenn der Winter zum Frühling wird

Eiskristalle auf den Ästen der Bäume am Roten Haus - klirrend kalte Winter gehören zunehmend der Vergangenheit an! – Foto: Madlen Schimkat
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Eiskristalle auf den Ästen der Bäume am Roten Haus - klirrend kalte Winter gehören zunehmend der Vergangenheit an! – Foto: Madlen Schimkat

Die Tage werden kürzer, die Nächte werden kälter – der Winter steht vor der Tür. Um die kalte Jahreszeit zu überbrücken, halten viele Tiere Winterschlaf. Erst im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, kommen sie aus ihren Verstecken. Normalerweise. 

In den letzten Jahren sind die Winter deutlich milder und unbeständiger geworden. Schnee wurde zur Seltenheit und plötzliche Temperaturanstiege und –schwankungen können immer häufiger beobachtet werden. So auch in diesem Jahr. Nachdem Ende November Tiefsttemperaturen von knapp 10°C unter null gemessen wurden, folgte Anfang Dezember eine Phase mit bis zu 13°C in der Nacht und über 15°C tagsüber. Was sich für uns wie Frühling anfühlt, gibt auch vielen winterschlafenden Tieren den Impuls, aufzuwachen. Das zeigte sich auch während Detektorerfassungen vom 09. bis 11.12.2025 in Dresden und Moritzburg: vier Fledermausarten, darunter Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) konnten festgestellt werden. Grundsätzlich ist das erstmal nichts Schlechtes. Bei mildem Wetter sind auch einige Insekten aktiv, sodass die Fledermäuse auf die Jagd gehen können. Zum Teil erwachen die Tiere in milden Winternächten sogar absichtlich um z.B. nach Nahrung zu suchen, wenn sie merken, dass ihre Fettreserven zu Neige gehen oder um ihre Position im Winterquartier zu wechseln. Auch einige Igel scheinen die warme Phase Anfang Dezember fälschlicherweise für den Frühling gehalten zu haben, was Totfunde am Straßenrand zeigen. Das ist jedoch nicht die einzige Gefahr für die Tiere. Wachen Fledermäuse, Igel oder auch andere winterschlafende Tiere durch hohe Temperaturschwankungen zu oft unbeabsichtigt auf, verbrauchen sie die Fettreserven, die eigentlich für den Winterschlaf benötigt werden, durch das ständige Hochfahren des Stoffwechsels sehr schnell. Das knappe Nahrungsangebot im Winter reicht meist nicht aus, um diese wieder ausreichend zu füllen, sodass es viele Tiere dadurch nicht bis zum Frühjahr schaffen.

Was Sie tun können, um den Tieren im Winter zu helfen, erfahren Sie hier:

  • geeignete, störungsarme Strukturen für die Überwinterung für Kleintiere (z.B. Igel, Amphibien, Insekten) schaffen: Laub, Äste und Reisig unter Sträuchern/Hecken an ruhigen Standorten aufschichten
  • schlafende Tiere (z.B. Igel im Garten oder Fledermäuse in einer Höhle) nicht stören, um ein Aufwachen zu vermeiden 
  • im Winter aktiven Igeln helfen: bei Unterkühlung/Schwäche das Tier wärmen und Futter sowie Wasser anbieten; kontaktieren Sie am besten eine Igelstation (diese und weitere Wildtierauffangstationen in Ihrer Nähe finden sie hier)


Wir wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! 


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Nachdem ein überwinternder Igel unter Pflanzenresten im Beet gefunden wurde, wurde das Versteck mit Ästen optimiert und frostsicher gestaltet. – Foto: Uwe Stolzenburg
Nachdem ein überwinternder Igel unter Pflanzenresten im Beet gefunden wurde, wurde das Versteck mit Ästen optimiert und frostsicher gestaltet. – Foto: Uwe Stolzenburg
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Aus dem Winterschlaf erwachte Fledermäuse tranken aus dem Brunnen im Staudengarten an der Elbe in Dresden. Zwergfledermäuse konnten jagend entlang der Baumkronen beobachtet werden. – Foto: Lotte Wilking
Aus dem Winterschlaf erwachte Fledermäuse tranken aus dem Brunnen im Staudengarten an der Elbe in Dresden. Zwergfledermäuse konnten jagend entlang der Baumkronen beobachtet werden. – Foto: Lotte Wilking



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